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Salmonellen für Krebstherapie nutzen

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Forscher wollen Salmonellen in der Krebstherapie einsetzen

Dienstag, 24. Oktober 2017

 

Braunschweig

Bakterien, die Tumore befallen und dadurch das Immunsystem auf den Krebs aufmerksam machen, könnten eine vielversprechende neue Therapie sein. Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) haben zu diesem Zweck eine Variante von Salmonella typhimurium entwickelt, die laut ihrem Bericht in OncoImmunology (2017; doi: 10.1080/2162402X.2017.1382791) keine Durchfall­erkrankung auslöst.

 

Die Krebstherapie mit Bakterien (Bacteria-mediated tumor therapy [BMTT]) ist uralt, und sie wird auch heute noch an vielen Kliniken eingesetzt.

Die früheste Quelle ist der ägyptische Arzt Imhotep, der 2.600 vor Christus gelebt hat. Die heute noch verwendete Variante der BMTT ist die Behandlung von Blasenkrebs durch Installation von Myco­bacterium bovis BCG (Bacille Calmette-Guerin), die als evidenzbasiert gilt.

 

Bekannt wurde die BMTT durch den US-Mediziner William Coley, der seit 1891 Krebs­patienten mit Streptococcus pyogenes behandelte.

Coley soll im Verlauf der Jahre mehr als tausend Patienten behandelt haben, bis seine Therapie in Vergessenheit geriet.

Erst seit einigen Jahren beschäftigen sich Forscher wieder intensiver mit der BMTT.

 

Der US-Krebsforscher Bert Vogelstein, einer der Pioniere der Krebsimmuntherapie, berichtete vor drei Jahren über einen erfolgreichen Therapieversuch bei einem Leiomyosarkom, das sich nach Injektion von Clostridium novyi-NT-Sporen zeitweise zurückbildete (Science Translational Medicine 2014; 6: 249ra111).

 

Bislang ist es bei vereinzelten kleinen Studien geblieben, wie Sebastian Felgner vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig jüngst im International Journal of Microbiology (2016; doi: 10.1155/2016/8451728) berichtete.

 

Die Krux liege darin, dass die meisten Bakterien nicht nur den Tumor angreifen, sondern auch gesundes Gewebe. 

Die Braunschweiger Forscher haben deshalb begonnen, Krankheitserreger so zu modifizieren, dass eine Infektion harmlos ist, der Tumor jedoch weiter angegriffen wird. Zu diesem Zweck haben sie das Erbgut von Salmonella enterica, dem wichtigsten Erreger von schweren Darminfektionen, verändert. 

 

Eine Veränderung betrifft die Geißel, mit der sich das Bakterium bewegt. Die ist bei einer Injektion in den Tumor unerwünscht, da der Erreger seinen zugewiesenen „Arbeitsplatz“ verlassen könnte. Mutationen in Genen, die für die Synthese der Geißel benötigt werden, sollen dies verhindern.

 

Eine andere Veränderung betrifft die Hülle des Bakteriums. Hier befinden sich die Lipopolysaccharide, die vom Immunsystem als fremd erkannt und angegriffen werden. Modifikationen im Lipid A des Hüllproteins sollen dafür sorgen, dass das Bakterium besser erkannt wird.

 

Dabei ging es auch darum, einen Selbstschutz der Bakterien abzustellen. Um sich bei einer Infektion zu verstecken, spalten verschiedene Enzyme der Salmonellen Fettketten ab, sobald sie in einen Wirt eindringen. Diese Enzyme wurden aus dem Laborbakterium entfernt.

 

Weitere Modifikationen sollen verhindern, dass das Bakterium vom Immunsystem beseitigt wird, bevor es eine Infektion etablieren kann.

Salmonellen sind in vielen Ländern so verbreitet, dass die Bevölkerung eine Immunität entwickelt hat. Die Versuche an Mäusen ergaben jedoch, dass die bevorstehende Immunität nicht so große Probleme aufwirft wie befürchtet. Nach einer Injektion der Bakterien in den Tumor kam es zu einer deutlichen Rückbildung.

 

Die Forscher halten den Stamm für sicher und effektiv genug für die Tumortherapie. Sie sind jetzt auf der Suche nach Industriepartnern, die bereit sind, in klinische Studien zu investieren. © rme/aerzteblatt.de

 

Veröffentlicht auf: www.xing-news.com

Von: rme/aerzteblatt.de